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Danksagung an die Getreuen

ür einen fundamentalen Teil dieser Schrift seien meine Eltern allerherzlichst bedankt:
Meine Mutter Ingeborg im Besonderen, die mir ihre gefüllte Speisekammer & gut ausgerüstete Küche sehr oft ungefragt zur Verfügung stellte. So konnte ich schon in jugendlichen Jahren ausgedehnte Forschungen zum Thema Geschmack & Nahrungskombinationen intensivieren.
Mein Vater Rolf im Besonderen, der mich in die Möglichkeiten eines warmen & pikanten Frühstücks nach angloamerikanischer Tradition einweihte. Er entriß mir den trüben Schleier, der mir meine Augen vernebelte, ein Frühstück müsse kalt & süß sein. “Am Anfang war doch das Ei – gebraten!“
Beide, die sich nicht auf die monotonen Kinderessen, wie Reis, Nudeln, Pommes & Knödel mit oder ohne Soße einließen, sondern uns Kinder mit geschickter Führung aus der dunklen Höhle von Unwissenheit & bornierter Ignoranz in die weiten lichterfüllten Ebenen heimischer und internationaler Speisen & Gewürze geleiteten. Beherrschend waren Salate & Gemüse, dazu Fleisch oder Fisch oder Geflügel & Kartoffeln.
Das bedeutet nicht, das es Reis, Nudeln, Pommes, Knödel nicht gab, aber es waren Besonderheiten, die die Kinderherzen besonders hoch schlagen ließen, wie zum Beispiel das Standard-Kindergeburtstags-Essen „Schaschlik mit Pommes Frites“. Meine Mutter steckte liebevoll Fleisch, Speck, Zwiebel und Paprika auf hölzerne oder metallerne Spieße, während mein Vater geduldig kiloweise Kartoffeln schälte & in Streifen schnitt.
Anschließend wurde uns Kindern ein weitgefächertes Spektrum von Gewürzen, Soßen & anderer Zutaten präsentiert, & wir wurden dazu ermuntert, mögliche & unmögliche Kombinationen zu entwickeln. Geboten waren außer Salz & Pfeffer (schwarz, weiß) Paprika (süß, scharf), Cayenne-Pfeffer, englischer Curry, Tabasco, Wochester-Sauce, Ketchup, 3 Sorten Senf (süß, mittel & scharf), Knoblauchbutter mit frischen Kräutern, rohe gehackte Zwiebel.
Auf dieser Spielwiese der Geschmackserkundung wurde ausgelassen herumgetobt, & ohne Unterlaß oder aufkommende Langeweile Kreationen geschaffen, die manchmal auch in den alltäglichen Küchenplan Einzug halten durften.

Eine weitere, wichtige Person soll hier mit Dank geehrt werden:
Silvia vom „Gaumenkitzel“, eine meisterliche Köchin, führte mich in die praktische Routine ihres sehr gut laufenden Restaurant-Betriebs ein. Sie lehrte mich die geschwinde Handhabe diverser Küchenschwerter, das Anlegen augenbetörender Dekorationen, die Organisation des täglichen Einkaufs frischer Zutaten & deren Vorbereitung, & den Humor nicht zu verlieren, wenn in Stoßzeiten der Ansturm der Bestellungen uns zu überfordern drohte.
Bei aller angestrebter Rationalität mittels berufseigener Kniffe & Tricks stand auf dem 6-flammigen Gasherd ein großer Topf mit selbstgemachter Brühe, wurden die Spätzle (besser gesagt die Variation der Knöpfle) mit trotzigem Stolz gerührt, bis im Teig die Blasen kamen, um in das kochende Salzwasser gerieben zu werden.
Der Kräuter-Joghurt-Dipp bestand tatsächlich aus Joghurt mit frischen Kräutern, & der Salat wurde nicht mit einer schlecht gemischten Essig-Essenz-Wasser-Lösung verätzt, wie das heutzutage landläufig in vielen Restaurants Usus ist, sondern sie verwendete selbstbewußt guten Essig, der den Geschmack der Soßen vervollkommnete.

Nun sollen noch dankbarerweise die unzähligen Menschen Erwähnung finden, die ich als Versuchspersonen für meine teilweise sehr gewagten Kreationen mißbrauchen durfte.
Leider kann ich diese Personen nur als anonyme Gruppe nennen, einerseits, weil die große Menge der Individuen namentlich den Rahmen dieses Platzes sprengen würde, andererseits, weil ich befürchte, ich könnte mich an die eine oder andere Person nicht mehr erinnern, was mich zu tiefst beschämen würde.
Sie alle bewiesen kosmopolitische Geschmacksbereitschaft & kulinarische Abenteuerlust, da sie nie genau im Voraus wußten, was ich ihnen präsentieren würde. Natürlich formten sie durch ihre Kommentare subtilerweise mein Würz- & Kochverhalten, entweder durch frenetischen Zuspruch – „Oops! Etzat konni nimma!“ - , oder durch sogenannte konstruktive Kritik – „Des mogi net!“ -.

 

 

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© 2002-2006 André Linke (Autor)

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